Energiewirtschaft

„Wir wollen ein faires Angebot“

Tarife/Energie

5 000 Beschäftigte demonstrieren für mehr Geld

Die Beschäftigten der privaten Energiewirtschaft haben unmittelbar vor der dritten Verhandlungsrunde  ein deutliches Zeichen gesetzt: Mit einer eindrucksvollen Kundgebung vor dem Verhandlungsort, der EnBW-Zentrale in Karlsruhe, bekräftigen etwa 5 000 Kolleginnen und Kollegen der privaten Energiewirtschaft im Südwesten ihre Forderung nach 5,9 Prozent mehr Geld und 80 Euro mehr für die Auszubildenden.  Lautstark – mit jeder Menge Trillerpfeifen – zeigten sie vor der EnBW-Zentrale in Karlsruhe, dass sie hinter den Forderungen von ver.di stehen und das, was die Arbeitgeber bisher bereit sind zu zahlen, als viel zu niedrig ablehnen. Die Kundgebung war Teil des ganztägigen Warnstreiks in der privaten Energiewirtschaft im Südwesten.

Die bisherigen zwei Verhandlungsrunden für die Beschäftigten der privaten Energiewirtschaft in Baden-Württemberg waren ohne Ergebnis geblieben. Die Arbeitgeber boten bisher eine Einkommenserhöhung an, die gerade mal die Inflationsrate deckt. Für ver.di und die Beschäftigten ist dies ein Scheinangebot. Sie verlangen, dass die Arbeitgeber endlich ein Angebot vorlegen, das den Namen verdient.

Thorsten Pfirmann, Vorsitzender der Landesfachgruppe Energie in Baden-Württemberg, sagte vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der  Kundgebung am Montag in Karlsruhe: Die Belegschaft der privaten Energiewirtschaft und speziell die der EnBW hätten sich in den vergangenen Jahren mit Lohnforderungen zurückgehalten. „Wir haben unsere Konzerne in schlechten Zeiten getragen“, sagt Pfirmann. Jetzt ist die Trendwende geschafft, doch die Kolleginnen und Kollegen sollen weiter den Gürtel engschnallen. „Das ist hochgradig  unanständig, mehr noch: Es ist eine bodenlose Frechheit“, so Pfirmann unter großem Beifall der Kundgebung.

Auch der ver.di-Verhandlungsführer für die private Energiewirtschaft in Baden-Württemberg, Stefan Hamm, verwies auf die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre, mit denen die Belegschaften der schwierigen Situation der Branche Rechnung trugen. Diese Lohnzurückhaltung könne aber nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag fortgesetzt werden – zumal sich die Branche inzwischen erhole. Angesichts steigender Mieten und generell steigender Lebenshaltungskosten erwarteten die Beschäftigten ein deutliches Plus. Er forderte die Arbeitgeber auf, endlich ein Angebot auf den Tisch zu legen, das zeigte, dass die Arbeitgeber die Beschäftigten wertschätzten.

„Das Angebot ist ein Witz“, meinte auch Martin Groß, ver.di-Landesbezirksleiter Baden-Württemberg. Er erinnerte daran, dass vor einigen Jahren, als die Energiewirtschaft sich in schwierigen Zeiten sah, die Beschäftigten ihren Beitrag leisten müsste, um die Unternehmen zu entlasten. „Doch wenn es aufwärts geht, dann vergisst man uns gerne einmal.“ Und er fügte hinzu: „Deswegen stehen wir heute hier und bringen uns lautstark in Erinnerung.“ Heute machten die Beschäftigten Druck für mehr Geld, eine bessere Azubi-Vergütung und “mehr Respekt vor unserer Arbeit“. Denn die Arbeit der Beschäftigten macht erst den Erfolg der Unternehmen möglich. Dafür wollten die Kolleginnen und Kollegen Anerkennung und Respekt. Groß: „Wir wollen ein faires Angeobt – sonst gibt es keine Ruhe.“ Und er prophezeite: Wenn die Arbeitgeber dieses Zeichen der Beschäftigten nicht ernst nehmen nicht verstehen würden, dann „kommen wir wieder“.