Von Abfallsammlern und Straßenkehrern

Wie ALBA SÜD wieder den Tarif bekam

Private Abfallwirtschaft: ALBA SÜD

Rolf Gillé privat Rolf Gillé

„ALBA ist anders. Vor allem in Sachen Unternehmensstruktur. ALBA ist genau genommen kein Konzern, sondern aufgeteilt in viele kleine Unternehmen mit jeweils eigener Geschäftsführung. Und dennoch wird das Unternehmen, was die Unternehmensstrategie angeht, von Berlin aus, von der Zentrale aus geführt. Denn in Berlin ist der Hauptsitz des Unternehmens. Wobei die ALBA-Gründer, die Familie Schweizer, aus Esslingen stammen. Das Unternehmen ist nicht nur in ganz Deutschland aktiv, sondern unter anderem auch in Polen und in China.

ALBA ging schon 2004 raus aus dem BDE (Bundesverband der deutschen Entsorgungswirtschaft).  Die Begründung: Die Verantwortlichen bei ALBA wollten sich nicht die Lohnpolitik von anderen Entsorgungsunternehmen vorschreiben lassen, hieß es. Gemunkelt wurde, dass es dabei nicht um die Höhe des damals geltenden Tarifniveaus ging. Vielmehr war ALBA nicht einverstanden mit der damaligen Zusammensetzung der BDE-Tarifkommission.

Der BDE-Austritt ALBAs fiel in eine Zeit, in der sich die Abfallwirtschaft und damit auch der Konzern in einer schwierigen Phase befand. Wie andere Unternehmen auch war Wachsen das Stichwort. Später wurde wieder geschrumpft. Die Entwicklung ALBAs verlief immer wellenförmig – erst wachsen, dann sich auf die Kernaufgaben konzentrieren und wieder wachsen, um dann wieder zu schrumpfen. 2007 kaufte ALBA  von der EnBW das Entsorgungsunternehmen UPlus, das auch in Bayern und in Rheinland-Pfalz Niederlassungen hatte. Die EnBW hatte sich – ähnlich wellenförmig – in den 90er Jahren diversifizieren wollen und auch Entsorgungsunternehmen unter seine Fittiche gebracht. Später wurde wieder der Gemischtwarenhandel wieder auseinandersortiert und ALBA schlug zu.

Mit diesem Verkauf verloren auch die Beschäftigten von UPlus die Tarifbindung. Und selbst UPlus wurde aufgesplittet in verschiedene kleine Unternehmen. Damals war viel von der schlechten Stimmung innerhalb des Unternehmens die Rede. Und sie war auch schlecht. Subunternehmen, die noch schlechter bezahlten als ALBA, waren in den Betrieben aktiv und  Lohnerhöhungen gab es nur, wenn dem Unternehmen danach war. Und der Unmut unter den Beschäftigten wurde immer größer.

Im Herbst 2009 waren es die Kolleginnen und Kollegen leid. Weil eben nicht jeder für sich verhandeln kann und weil in einer solchen Situation die Schwachen die Verlierer sind. Es sollte wieder ein Tarifvertrag her. Und weil ALBA SÜD nicht auf die Forderung nach Tarifverhandlungen einging, wurde gestreikt – und zwar in allen ALBA-Betrieben im Land.

In Zimmern zum Beispiel standen die Kolleginnen und Kollegen an einem Dezembermorgen in eisiger Kälte und bei heftigem Schneefall vor den Toren und hielten ihre Plakate mit den Forderungen hoch. Groß war auch die Streikbeteiligung in Karlsruhe, Heilbronn und in Waiblingen. Fast die ganze Belegschaft beteiligte sich an den Streiks – auch sehr viele Nicht-Mitglieder waren darunter.

Offenbar hatte ALBA nicht damit gerechnet, wie große der Zusammenhalt unter den Beschäftigten sein würde. Die Beteiligung an den jeweils eintägigen Streiks war super. Und dann ging alles sehr schnell. Seit 2010 ist nun wieder Schluss mit dem tariflosen Zustand. Es gilt ein Vergütungstarifvertrag, der seither auch mehrfach angepasst wurde. Aus dem alten BDE-Manteltarifvertrag wurden zudem Passagen entnommen – wie die Urlaubsregelung oder die Bestandteile, die sich auf Firmenjubiläen beziehen.

Man muss aber Folgendes sehen: Die ALBA-Beschäftigten hatten infolge der tariflosen Jahre auch einen Nachholbedarf. Besonders mit Blick auf die allgemeine Tarifentwicklung. ver.di und die Beschäftigten setzen nun alles daran, diese Lücke langsam wieder zu schließen beziehungsweise sie nicht mehr größer werden zu lassen. Und eines vor allem empfinden wir, die Beschäftigten bei ALBA, als sehr positiv: Der Umgang zwischen den Beschäftigten und der Geschäftsleitung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich zum Positiven verändert. Heute sprechen wir von einem respektvollen Umgang miteinander. Das wiederum werten wir als eine gute Basis für ein erfolgreiches Unternehmen.“

Rolf Gillé, Sprecher der Arbeitsgruppe Betriebsräte ALBA Süd