Von Abfallsammlern und Straßenkehrern

„Es ist schwer, Fahrer zu bekommen“

Öffentliche Entsorgung: Ulm

Bernd Loser privat Bernd Loser

„Weil Müll immer besser getrennt wird, sinken die Restmüllmengen pro Einwohner, also die Müllmengen, die gerade in großen Städten von den Kommunen entsorgt werden. Bei uns in Ulm bleiben die Restmüllmengen dennoch konstant. Der Grund: Die Einwohnerzahl steigt.

Vor allem in den Ballungsräumen ist die Müllabfuhr seit jeher Sache der Kommunen. Wobei bestimmte Abfallbereiche auch in den großen Städten den Privaten übertragen wurden – nicht nur das Einsammeln der gelben Säcke, sondern auch das Abholen von Papier und Glas. Auf dem Land haben die Kommunen oft die Müllentsorgung komplett den Privaten übertragen. Vor allem die Zuverlässigkeit ist nach wie vor bei den kleinen privaten Entsorgern ein Problem. Immer wieder beschweren sich Anwohner darüber, dass die gelben Säcke nicht mitgenommen wurden. Diese Beschwerden laufen bei uns auf – weil wir eben in den Augen der Bürgerinnen und Bürger die Ansprechpartner sind, obwohl wir nichts mit den gelben Säcken zu tun haben.

Ulm hat vor drei Jahren die Papier-Abholung wieder von den Privaten zurückgeholt. Auch mit Hilfe dieses Schrittes konnten wir die Zahl der Beschäftigten konstant halten.

Wo uns der Schuh drückt? Auch für uns als öffentliche Entsorger wird es immer schwieriger, Fahrer zu bekommen. Das hat einerseits damit zu tun, dass die Bundeswehr inzwischen als Fahrer-Nachwuchsschmiede ausfällt. Wer heute mehr Fahrer auf dem Arbeitsmarkt rekrutieren will, muss ihre Arbeitsbedingungen verbessern und sie auch besser bezahlen. Und wir müssen bei der Ausbildung ansetzen. Auch die Öffentlichen engagieren sich noch zu wenig und manchmal sogar gar nicht bei der Fahrer-Ausbildung. Sie sind meist nur bei der Fahrer-Weiterbildung dabei. Bisher setzten die Unternehmen darauf, dass sie auf dem Arbeitsmarkt schon Fahrer finden werden. Jetzt ist höchste Zeit, umzudenken.

Ich denke, dass generell die Einkommen der Beschäftigten der Müllabfuhr steigen müssen. Es kann doch nicht sein, dass Lader, die schwer körperlich arbeiten, später nicht mal genug Rente bekommen, um anständig leben zu können. Dass sie schon während ihrer Berufstätigkeit berechtigt sind, Wohngeld zu beziehen. Weil das Geld, das sie für ihre Arbeit bekommen, einfach zum Leben nicht reicht. Und jeder weiß: Lader starten in den unteren Lohngruppen und bleiben hier auch. Da ist nichts drin mit Karriere und Aufstieg. Deshalb muss es darum gehen, eine bessere Eingruppierung zu erreichen.“

Bernd Loser, Personalratsvorsitzender der Entsorgungsbetriebe der Stadt Ulm und des Zweckverbandes Klärwerk Steinhäule