Von Abfallsammlern und Straßenkehrern

„Uns fehlt der Nachwuchs“

Private Abfallwirtschaft: Suez

Rüdiger Schwarz ver.di Rüdiger Schwarz

„Sita oder jetzt Suez – das Unternehmen ist Mitglied der Tarifgemeinschaft des  Bundesverbandes der deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE). Und damit sind wir der letzte der großen Entsorger in Baden-Württemberg, der noch im Tarifverbund ist. Doch auch bei uns wird es künftig um einen Haustarifvertrag gehen. Denn die bundesweiten Tarifverhandlungen, die sich bereits in den vergangenen Jahren als schwierig erwiesen haben, sind vorerst gescheitert. Die Beschäftigten der einzelnen BDE-Unternehmen und ver.di setzen nun auf Haustarifverträge. Wir hoffen, dass wir auf dem diesem Wege bessere Tarifverträge, bessere Regelungen für die Kolleginnen und Kollegen erreichen als bisher im Rahmen des BDE-Flächentarifvertrages.

Wobei es niemanden leicht fällt, den Flächentarifvertrag aufzugeben. Denn ein  Flächentarifvertrag beinhaltet immer auch das Prinzip der Solidarität: Die großen Starken nehmen die kleinen Schwächeren mit. Nun kämpft jedes Unternehmen für sich.

Wie war die Situation bisher bei uns? Es gab und es gibt Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer. Bis vor wenigen Jahren hatten wir noch eine unternehmenseigene Leiharbeitsfirma. Als ver.di mit dem BDE den Tarifvertrag  Leiharbeitsunternehmen abschloss, wurden alle eigenen Leiharbeitnehmer zu regulären Arbeitnehmerinnen und Arbeitsnehmern. Die Leiharbeitsfirma wurde aufgelöst. Aber wir beschäftigten weiterhin Leiharbeitnehmer von Drittfirmen– vor allem in den Sortieranlagen. Aber es sind wesentlich weniger als früher. Mit Leiharbeitnehmern will das Unternehmen natürlich Geld sparen.

Was uns zurzeit Sorgen bereitet, ist der Umstand, dass Kraftfahrer fehlen. Viele, die bei uns fahren,  sind kurz vor dem Rentenalter. Und ja: Bei uns fahren  inzwischen Kollegen, die bereits in Rente sind – sie werden als Fahrer von Absetzkipper oder für Container-Fahrzeuge und in der Müllabfuhr eingesetzt. Dass wir zu wenig Fahrer haben, hängt auch damit zusammen, dass der abgesenkte BDE-Tarif für Neueinstellungen meines Erachtens reichlich niedrig ist. Wir konkurrieren mit Speditionen um die Fahrer und ziehen dabei den Kürzeren.

Wir stehen vor folgendem Problem: Die kleinen Billigfirmen machen den Kommunen Angebote, die auf dem Branchenmindestlohn beruhen, beziehungsweise bei den Fahrern durch fadenscheinige Zuschläge bei 14 Euro liegen. Hier ist natürlich die Politik gefragt, sie muss sich für die Unternehmen einsetzen, welche Tariflöhne zahlen und nicht noch die Billigheimer fördern. Dafür bekommen wir auf dem Arbeitsmarkt keine Fahrer. Sicher, wir bilden keine Fahrer aus. Aber selbst wenn wir ausbilden würden, ist es fraglich, ob wir Auszubildende bekämen. Generell macht uns die demografische Entwicklung große Sorgen. Der Altersdurchschnitt der Belegschaft steigt – derzeit liegt er bei Ende 40. Uns fehlt einfach der Nachwuchs. 

Wie sieht die Zukunft der Abfallwirtschaft aus? Vermutlich wird die Sortierung forciert. Doch es gibt heute schon hochmoderne Anlagen, die brauchen keine Menschen mehr. Und sie sortieren besser als Menschen. Sortieren ist auch alles andere als ein attraktiver Job – so gesehen darf man eigentlich diesen Jobs nicht nachweinen.  Auch die Digitalisierung wird die Entsorgung erheblich durcheinanderwirbeln. Vielleicht wird es bald selbstfahrende Autos geben, vermutlich wird sich der Job des Tourenplaners und des Disponenten radikal ändern. Mit der Technik aber – gerade Technik, die inzwischen in den Müllwagen verbaut wird - sind auch die Beschäftigten zu kontrollieren. Der Arbeitgeber weiß zu jeder Sekunde, wo der Wagen ist, ob er steht, ob er fährt. Das kann uns nicht gefallen, denn damit werden auch wir, die Beschäftigten, gläsern. Aber nicht nur das, der Arbeitgeber spricht seinen Mitarbeitern das Vertrauen ab. So kann man seine Mitarbeiter weder motivieren noch mit seinem Unternehmen verbinden bzw. identifizieren.“             

Rüdiger Schwarz, Betriebsrat Suez Süd GmbH der NL Stuttgart, NL Karlsruhe, NL Anlagen