Von Abfallsammlern und Straßenkehrern

Digitalisierung muss gestaltet werden

Öffentliche Entsorgung: Ulm

Wendelin Huber ver.di Wendelin Huber

"Die Aufgaben zwischen uns und der privaten Müllentsorgung sind abgesteckt. Da hat sich seit Jahren nichts geändert. Hier in Ulm holen wir den Restmüll, den Biomüll und Teile des Papier- und Pappe-Abfalls. Die Privaten holen Glas, den anderen Teil des Papierabfalls und vor allem: Sie holen die gelben Säcke. Wenn wir alle konsequent Müll trennen, bleibt nur wenig Restmüll, der in die Verbrennungsanlagen geht.

Ich habe nichts dagegen, dass die privaten Entsorger die Verpackungen abholen. Was mich stört, ist die Verpackung der Verpackung – also die gelben Säcke. Denn sie sind sehr dünn, reißen leicht und die Bürgerinnen und Bürger haben oft keinen Platz in ihrer Wohnung, um die vollen Säcke im Haus zu lagern. Und so liegen immer irgendwelche volle gelben Säcke in den Gärten und auf den Gehwegen herum. Ratten und Mäuse reißen die Säcke auf, weil teilweise noch Lebensmittel in den Verpackungen sind. Ergo: Das Zeug liegt auf der Straße. Zudem: Wer versteht schon wirklich, dass die Plastikverpackung in den Sack gehört, die defekte Plastikschüssel aber nicht. Das ist doch nicht logisch. Das System der gelben Säcke ist nicht stadtgerecht. Mehr noch: Die Säcke verschandeln das Stadtbild. Auch deshalb konnte ich schon immer der Wertstofftonne einiges abgewinnen – sie hat die Schwächen der Säcke nicht und die Bürgerinnen und Bürger können auch Plastikabfalle, kaputtes Spielzeug und Ähnliches reinwerfen. Schade, dass die Politik es bisher nicht geschafft hat, entsprechende Lösungen zu finden, die sinnvoll sind und akzeptiert werden.

Die öffentliche wie private Entsorgung hat derzeit ein gemeinsames Problem und das heißt: Fahrermangel. Deshalb unterstützt Ulm auch Kolleginnen und Kollegen finanziell, die den Lastwagenführerschein machen. Den LKW-Führerschein zu machen ist für viele Lader eine Chance auf eine Karriere. Bisher bieten wir allerdings noch keine echte Ausbildung zum Berufskraftfahrer an. Der Grund: Wir haben keine Ausbilder.

Was die Digitalisierung bringt? Sicher ist, dass sich auch bei der Müllabfuhr und der Straßenreinigung einiges ändern wird. Einfache Arbeiten werden noch weiter automatisiert werden. Das ist auf der einen Seite zu begrüßen, denn dadurch übernehmen Maschinen unangenehme Jobs wie die Müllsortierung. Die Kehrseite der Medaille: Diese Jobs sind zwar schmutzig und unangenehm, sie waren aber eine Chance für Menschen, die keinen Beruf erlernt haben zum Beispiel. Für die entfällt dann eine Chance, auf eigenen Füßen zu stehen.

Die Digitalisierung wird einfache Tätigkeiten auf Maschinen übertragen. Dabei wird es aber nicht bleiben: Auch derzeit qualifizierte Jobs werden sich verändern, weil auch hier der Computer künftig mehr zu sagen hat. Wann diese Veränderungen sichtbar werden, weiß keiner. Es wird voraussichtlich noch ein paar Jahre dauern, bis der Computer die Logistik übernimmt, bis die Touren vollends vom Computer geplant werden. Aber die Entwicklung ist nicht aufzuhalten, wir können und müssen sie aber gestalten. Wir müssen deshalb sehr wachsam sein und darauf dringen, dass die Kolleginnen und Kollegen weitergebildet werden. Damit sie morgen noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.“    

Wendelin Huber, Abteilungsleiter Betriebe und langjähriger Personalrat der Entsorgungsbetriebe Ulm