Von Abfallsammlern und Straßenkehrern

Wettbewerb auf Kosten der Beschäftigten

Keine Chance den Billigheimern

Müll Bender Müll

Sie  sind klein, manchmal wachsen sie auch zu einem mittelständischen Betrieb. Gemeinsam haben sie, dass sie den Großen auf dem Markt Paroli bieten – vor allem beim Preis. Diese Unternehmen der Abfallwirtschaft sind nicht nur günstig, sondern billig. Bei Ausschreibungen liegt ihr Angebot in der Regel deutlich unter dem Angebot der etablierten Firmen. Mehr noch: Manchmal jagen sie den Etablierten die Aufträge ab.

Für die Beschäftigten ist das kein Grund zur Freude. Nicht für die Beschäftigten der großen Abfallfirmen nicht und eigentlich auch nicht für die Beschäftigten der kleinen Firmen, die den Zuschlag bekommen. Denn das Angebot kann in der Regel nur so niedrig sein, weil diese Billigheimer bei den Beschäftigten sparen – vor allem bei den Löhnen, aber auch beim Arbeits- und Gesundheitsschutz. Und: Diese Unternehmen wollen keine Arbeitnehmervertretungen und keine ver.di-Vertreter in ihrem Betrieb haben. Entsprechend groß ist zumeist der Druck auf die Kolleginnen und Kollegen. „Die Leute werden entlassen, wenn sie mit uns sprechen“, wissen ver.di-Sekretäre.

Dass es so ist, ist ein offenes Geheimnis. Und dennoch laufen die Behörden oft ins Leere. Denn wenn der Zoll auftaucht und nachprüft, ob auch der Branchenmindestlohn bezahlt wird, werden auch schnell Warnwesten und Handschuhe herausgekramt. Für ver.di heißt das: „Die Betriebe wissen sehr wohl, was sie falsch machen und wie eigentlich die Standards aussehen.“ Aber sie machen die Standards nicht zur Regel, weil sie dadurch Geld sparen.

So wird auch darüber gemunkelt, dass die Fahrer die gesetzlichen Ruhezeiten nicht einhalten können. Das Problem: Es wird zwar vermutet, dass auch Büroangestellte eine so genannte Fahrerkarte besitzen, damit die Fahrer viel länger hinterm Steuer sein können, als das Gesetz es ihnen eigentlich erlaubt. Aber wenn kontrolliert wird, scheint alles sauber.

Indem sie den Wettbewerb über die Löhne und die Arbeitsbedingungen austragen, machen sie den Großen am Markt, die sich an die geltenden Regelungen und an Tarife halten, das Leben schwer. So manch einer der Großen hat in den vergangenen Jahren schon Aufträge an die Kleinen verloren. Weil sie eben keine Tariflöhne zahlen, weil sie Regelungen nicht einhalten, weil sie Arbeits- und Gesundheitsschutz klein schreiben. Die Leidtragenden sind die Beschäftigten.