Von Abfallsammlern und Straßenkehrern

Experten raten zu mehr Ausbildung

Kraftfahrer dringend gesucht

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Lastwagenfahrer sind gefragt. Das ist für die Unternehmen der Abfallwirtschaft nichts Neues. Schon seit mehreren Jahren suchen sie teilweise händeringend nach Fachkräften. Dennoch halten viele  Unternehmen nicht nach einer Strategie Ausschau, diesem Fachkräftemangel zu begegnen.

Die IHK Region Stuttgart animiert deshalb die Unternehmen, selbst aktiv zu werden und mehr Kraftfahrer auszubilden. Wer einen Lastwagenführerschein hat und einen Job sucht, ist derzeit fein raus. Denn Lastwagenfahrer sind derzeit in einer guten Position. Wie gut diese Position ist. zeigt eine Analyse des Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung (IAW): Mehr als zwei von fünf Arbeitgebern in der Bus- und Transportbranche finden nur schwer oder gar keine Fahrer. Vier von fünf Unternehmen mussten Aufträge ablehnen, weil sie nicht genügend Fahrer hatten. Und noch ein Umstand weist daraufhin, dass Kraftfahrer derzeit gute Karten haben: Die Einkommen bei den Kraftfahrern steigen. Und die Unternehmen versuchen, sich mit zusätzlichen Leistungen interessant für die Bewerber zu machen, die als Fahrer in Frage kommen. So bietet jedes dritte Unternehmen „nicht-monetäre Leistungen“ an – wie Dienstkleidung, fahrerfreundliche Freizeitregelungen oder Weiterbildungen. Zudem: Immer mehr Unternehmen ordnen einem Fahrer auch wieder ein spezielles Auto zu. Weil die Erfahrung gezeigt hat, dass Kolleginnen und Kollegen andere nur ungern in „ihrem“ Fahrerhaus sehen; weil sie gleichzeitig „ihr“ Fahrerhaus, in dem sie täglich acht Stunden verbringen, mit persönlichen Dingen ausstatten möchten.

Doch wer in dem Fachkräftemangel bei den Fahrern schon die ersten Auswirkungen der demografischen Entwicklung sieht und noch rosigere Zeiten auf all jene zukommen sieht, die einen Lastwagenführerschein haben, der irrt möglicherweise. Denn die Gründe für den Fachkräftemangel bei den Kraftfahrern sehen Experten in einer Reihe von Ursachen.

Der Führerschein schlägt teuer zu Buche

Die Hauptursache sind die hohen Kosten von 7000 bis 8000 Euro, die für den Lastwagenführerschein auf den Tisch gelegt werden müssen. Schon bisher waren es in der Regel nicht die Beschäftigten, die den Führerschein bezahlten. Vielmehr machte das Gros der Lastwagenfahrer den LKW-Führerschein bei der Bundeswehr oder als Beschäftigte der Post. Mit dem Ende der Wehrpflicht fällt die Bundeswehr als Hauptausbilder für den Lastwagenfahrer aus. Hinzu kommt: Die EU hat die Einstiegsvoraussetzungen in den Kraftfahrerberuf neu definiert.  Bisher brauchte ein Fahrer oder eine Fahrerin nur einen Lastwagenführerschein. Künftig sind alle fünf Jahre regelmäßige Weiterbildungen nötig.

Ausbildung wäre eine Lösung

Was aber schlagen die Experten nun vor? Ausbildung, heißt für sie das große Stichwort. Leider haben die Unternehmen diesen Ausweg aus der Misere auf dem Kraftfahrerarbeitsmarkt noch nicht für sich entdeckt. Nur sieben Prozent der Unternehmen setzen laut IHK auf die Ausbildung von Berufskraftfahrern, um ihre freien Stellen zu besetzen. Und das sind vor allem die großen Unternehmen. Die kleinen Unternehmen warten ab. Sie scheinen keinen Zusammenhang zu sehen zwischen dem derzeitigen Kraftfahrermangel und den niedrigen Ausbildungszahlen der vergangenen Jahre.

Einen Ausweg aus dem Fachkräftemangel sollten die Unternehmen auch in der Weiterbildung der eigenen Leute sehen. Junge Leute, die heute im Lager arbeiten oder als Sortierer, könnten zu Kraftfahrern ausgebildet werden – was wiederum die Bindung der Beschäftigten an das Unternehmen stärkt.