Von Abfallsammlern und Straßenkehrern

Wenn Abfall zum Wertstoff wird

Öffentliche Entsorgung: Mannheim

Oliver Knapp ver.di Oliver Knapp

„Nicht immer sind die Bürgerinnen und Bürger mit den privaten Entsorgern zufrieden. Gerade beim Dualen System gibt es immer wieder Ärger. Weil oft die Unternehmen nicht zeitnah die gelben Säcke abholen. Die Folge: Tiere reißen die Säcke und verteilen den Dreck.  Die Bürgerinnen und Bürger wenden sich dann an uns – an die öffentlichen Entsorger. Dabei können wir nichts für die Situation. Dennoch fällt es immer auf die Stadt zurück, wenn die privaten Entsorger nicht hinterher kommen.

Für mich hat dieses Nebeneinander von privater und öffentlicher Entsorgung 2002 noch einmal Auftrieb bekommen. Denn auf der einen Seite ist die Müllentsorgung  Teil der Daseinsvorsorge. Somit sind die Kommunen diejenigen, die den Hut aufhaben. Sie bestimmen, ob sie den Müll selbst abholen oder diese Aufgabe an Private vergeben. Mit dem Abfallgesetz 2002 aber dehnte der Gesetzgeber den Begriff „Wertstoff“ aus. Seither ist vieles zwar immer noch Abfall, aber eben nicht mehr Müll, sondern ein Wertstoff, der wiederverwertet werden kann beziehungsweise soll. Ob er dann wirklich wiederverwertet wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. Wertstoffe einzusammeln ist aber zuerst ein Bereich der Privaten und nicht der Kommunen. In der Folge nimmt der Anteil des Restmülls kontinuierlich ab. Schon gar, wenn auch noch Kochabfälle in der Biotonne gesammelt werden.

Meines Erachtens ist das Verhältnis zwischen privaten und öffentlichen Entsorgern nicht sonderlich gut – was natürlich auch damit zusammenhängt, dass beide Bereiche um den Müll buhlen. Die Privaten berufen sich auf das Abfallwirtschaftsgesetz, deklarieren hausmüllähnlichen Gewerbemüll als Wertstoff und stellen ihre Tonnen auf – auch wenn bis dato die Öffentlichen sich um diesen Müll gekümmert haben. In Mannheim haben wir vor gut zehn Jahren alle Bereiche überprüft, die an private Entsorger vergeben waren und haben viele Aufgaben wieder zurückgeholt – wir haben somit rekommunalisiert und damit auch Arbeitsplätze in der kommunalen Entsorgung erhalten.

Dabei reden wir viel über die Müllentsorgung. Aber die eigentliche Aufgabe lautet: Müllvermeidung. Das kommt derzeit viel zu kurz – und das liegt im Interesse der Kunststoffindustrie und der Verpackungsindustrie. Wobei unsere Hygienegesetze auch ihren Teil dazu beisteuern. Und so wird immer mehr verpackt, und wir haben immer mehr Müll. Gleichzeitig werden die einzelnen Sparten des Mülls nicht gut genug getrennt – da sind Essensreste in den gelben Säcken und Verpackungen im Restmüll. Den Verbrauchern wird suggeriert, dass die Stoffe wiederverwertet werden. Doch oftmals ist das gar nicht der Fall.

Seit 1. Januar 2017 haben wir in Mannheim die Wertstofftonne. Das läuft gut. Wir erwarten, dass künftig auch weniger Müll auf der Straße liegt. Denn oft genug kommt es vor, dass die gelben Säcke aufreißen und der Wind die Verpackungen wegweht, Vögel, Ratten und Mäuse den Müll verteilen. Es gab auch immer wieder Ärger mit den gelben Säcken – weil sie nicht termingerecht abgeholt wurden zum Beispiel.

Wo uns der Schuh drückt? Erstmal glaube ich, dass den Müllwerkern, die direkt bei den Kommunen beschäftigt sind, eine gute Entlohnung (TvöD) und guten Arbeitsschutz zugutekommt. Dennoch: Die Arbeitssicherheit kann natürlich immer verbessert werden, vor allem mit Blick auf die Technik und  die Fahrzeuge. Und was den Nachwuchs angeht? Wir bilden aus – Fachkräfte für Entsorgungswirtschaft und gezielt auch Fahrerinnen und Fahrer. Dabei haben wir wie andere auch das Problem, nur schwer genügend qualifizierte junge Leute zu haben, die in diesen Beruf einsteigen willen.  Dabei sind wir noch im Vorteil, denn bei uns sind die Arbeitszeiten geregelt. Abends sind die Kolleginnen und Kollegen zu Hause bei ihren Familien. Mit mehr Ausbildung versuchen wir der Überalterung der Belegschaft entgegenzuwirken.“  

Oliver Knapp, Abfallwirtschaft Mannheim